Mühlen in Wiesensteig

Mühlen in Wiesensteig

Mühlen und Wasserkraft

Jeder Ort an der Fils besaß eine oder mehrere Mühlen. Bereits ab Wiesensteig benötigte man für die geregelte Zuführung des Wassers Mühlbäche und Wehre am Fluss. Die Wasserkraft der Fils und ihrer Seitenbäche wurde von zahlreichen Mehl-, Öl-, Säge-, Gips-, und Papiermühlen genutzt, die jahrhundertelang im kleinhandwerklichen Maßstab produzierten. Mit der zunehmenden Mechanisierung und aufkommenden Industrialisierung wurde der Handbetrieb von Arbeitsgeräten ersetzt. Voraussetzung hierfür war allerdings der Zugang zur Wasserkraft, um die Maschinen antreiben zu können. Der Kampf um die Wasserrechte und den Zugang zu Mühlkanälen und Wehren wurde daher zu einem wichtigen Konkurrenzfaktor. So entstanden vielfach aus bestehenden Mühlen heraus, welche die Wasserrechte an vorhandenen Mühlkanälen besaßen, weitere frühindustrielle Unternehmen. Bis in die 1880er-Jahre, also noch deutlich nach der Einführung der Dampfmaschinen, war die Wasserkraft im Filstal die erheblich günstigere und zuverlässigere Energiequelle.

Historische Söll-Mühle Wiesensteig

Die Mühle war in Wiesensteig und über das Obere Filstal hinaus bekannt und lange Zeit wurde dort das Getreide der Bevölkerung gemahlen. Nach dem Tod des Besitzers entschied sich Rolf Baumann, Inhaber der Lehner Stuckateur GmbH, die Mühle als Wahrzeichen seiner Heimatstadt zu erhalten. Heute befindet sich in der ehemaligen Mühle „Ralfs Café“, ein Zentrum für Einkauf, Begegnung, Kunst, Kultur und Freizeit. Neben einem Café und Biergarten können Naturprodukte und regionale Spezialitäten erworben werden.

Von der Mahlmühle zur Papierfabrik

Wiesensteig war der zweitälteste Standort der Papierherstellung im Filstal. Zunächst gab es eine Mahlmühle, die 1699 in eine Papierfabrik umgebaut wurde. In den Anfängen des 18. Jahrhunderts wurde etwas oberhalb der alten Mühle eine weitere Mühle gebaut. Die vordere brannte im Jahr 1770 völlig aus, worauf sie in der Nähe des Filsursprungs, dem jetzigen Standort, wiederaufgebaut wurde. Seitdem war nur noch von einer Papiermühle inWiesensteig die Rede. Nach einigen Besitzerwechseln musste die Produktion 1861 auf Pappe umgestellt werden, da sie sonst nicht mehr konkurrenzfähig gewesen wäre.

In den Folgejahren wurde dann erfolgreich Pappe produziert, bis die Mühle schließlich 1999 wegen mangelnder Konkurrenzfähigkeit endgültig ihren Betrieb einstellen musste. Damit endete die Papierherstellung im oberen Filstal.