Mühlkanal Süßen

Der Mühlkanal in Süßen

Der Mühlkanal und die Grau´sche Mühle

Aufgrund der hohen Fließgeschwindigkeit der Fils mussten zur Nutzung der Wasserkraft in den anliegenden Gemeinden begleitende Mühlbäche bzw. Mühlkanäle angelegt werden. Der erste urkundliche Eintrag des 1,4 km langen Süßener Mühlkanals datiert auf das Jahr 1500, wahrscheinlich wurde der Kanal aber bereits im 13. Jahrhundert als technische Meisterleistung angelegt. Im Laufe der Zeit siedelten sich hier neben den verschiedensten Mühlentypen (Mahl-, Säg-, Öl- und Gipsmühlen) auch Gerbereien, Spinnereien und Webereien an.

Die erste errichtete Mühle war die heutige „Grau’sche Mühle“ am südöstlichen Beginn des Mühlkanals. War sie zur Anfangzeit noch eine einfache Bannmühle, in der alle Bewohner des Ortes ihr Mehl mahlen lassen mussten, wurde sie nach einem Dorfbrand (1707) mit drei zusätzlichen Mahlgängen und einem Gerbgang neu errichtet. Über Vermählung und Verkauf ging die Mühle 1848 in den Besitz der Familie Grau über. Anliegend errichtete Grau zum Wohn- und Geschäftsgebäude eine zusätzliche Sägemühle.

Statt des klassischen Wasserrades trieben seit 1863 mehrere Turbinen sowohl die Arbeitsgeräte der Säge- als auch der Mahlmühle an. Durch die permanenten Modernisierungen fand 1880 eine Umwandlung hin zur Kunstmühle („Kunst“ = „Ingenieurskunst“) statt. In den 1920/30er-Jahren erfolgte die Umnutzung der baufälligen Sägemühle zur Eisfabrik mit zusätzlichem Neubau.

Die Kunstmühle Schuler und die Hornwarenfabrik Kayser

Die Kunstmühle Schuler am nördlichen Ende des Mühlkanals ging aus zahlreichen Umbauten, Erweiterungen und Besitzerwechseln hervor. Heute nicht mehr vorhanden ist ein von Andreas Kessler 1780 erbauter Gebäudekomplex aus Öl- und Gipsmühle. Sein Sohn Johann Georg Kessler wandelte diesen in den 1870er-Jahren in eine Kunstmühle um, bevor sie 1887 in den Besitz des Kaufmanns Magnus Schuler überging. Im Zuge der Modernisierung fand eine Umnutzung zur Bettfedernfabrik statt, die im Juni 1996 vollständig abbrannte.

Als Basis des heutigen Mühlengebäudes Schuler diente die 1803 erbaute Gipsmühle mit Wohnhaus der Familie Bantleon, die 1829 an Christian Friedrich Schwarz überging. Dieser ließ 1830 ein zusätzliches Bandfabrikgebäude errichten. Aufgrund schlecht laufender Geschäfte gab Schwarz die Bandherstellung 1847 auf und wandelte den Gebäudekomplex in eine Kunstmühle um. Der ausbleibende Erfolg führte in den Folgejahren zur Zwangsversteigerung der Mühle. Nach zahlreichen Besitzerwechseln erwarb schließlich Robert Schuler im Jahr 1917 die Mühle. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Mühlengebäude erweitert und durch die Familie Schuler ständig modernisiert.

Am Mühlkanal entstanden zudem 1836 das Wohn- und Fabrikgebäude des Schönfärbers Kiderlen sowie 1837 die Spinnfabrik Johannes Bantleons. Durch Kauf expandierte Bantleon 1860 in das anliegende Gebäude Kiderlens. Zahlreiche Schicksalsschläge in der Familie und geschäftliche Probleme führten 1868 zum Selbstmord Johannes Bantleons. Die spätere Umnutzung durch die Brüder Hommel zur Holzdreherei scheiterte nach nur drei Jahren. 1894 wurde darin die Hornwarenfabrik Kayser gegründet.