SBI (Süddeutsche Baumwoll-Industrie)

Ehem. Süddeutsche Baumwollindustrie AG (SBI/esbi)

1852 nutzte der Schweizer Johann Heinrich Staub die Wasserkraft der Fils und errichtete in Altenstadt eine Baumwollspinnerei. Sein Sohn Arnold Staub baute 1857 die „Mechanische Baumwoll-Weberei Staub & Cie.“ in Kuchen, für deren Energieversorgung Wasser der Fils über einen Kanal zugeführt wurde. Mit Schweizer Finanzhilfe entstand hier mit 460 Webstühlen der größte Websaal Europas, drei Jahre später eine Baumwollspinnerei mit 25.340 Spindeln. Für die ländliche Gemeinde Kuchen brach damit das Industriezeitalter quasi über Nacht an.

Als das Potenzial an Wasserkraft am Fabrikstandort selbst nicht mehr ausreichte, errichtete Arnold Staub am Gingener Filswehr eine weitere Turbine, deren Energie er mit einer Drahtseilübertragung über eine Strecke von 467 m bis zu den Webstühlen der Weberei brachte.

Da sich Fachkräfte in der ländlichen Umgebung kaum mehr finden ließen, erbaute Staub zwischen 1857 und 1869 eine Arbeitersiedlung, um zuverlässige Arbeiter anzuziehen und zu halten. Sie war mit vorbildlichen Kultur- und Versorgungseinrichtungen ausgestattet und architektonisch von einer außergewöhnlichen Qualität. Auf der Weltausstellung in Paris 1867 erhielt Arnold Staub für seine Siedlung den Großen Preis mit Goldmedaille. Als Präsident der Stuttgarter Industrie- und Handelsbörse genoss er hohes Ansehen.

Staub investierte unaufhörlich in den Betrieb und verschuldete sich hoch. Durch einen Brand in der Spinnerei im Jahr 1876 kam er in finanzielle Bedrängnis und wurde schließlich 1881 von seinen Geldgebern aus dem Unternehmen gedrängt, das in jener Zeit der bedeutendste Betrieb dieser Art in Württemberg war. Nachdem ihm auch die Weiterführung der Spinnerei seines Bruders Emil in Geislingen-Altenstadt misslang, beging Arnold Staub 1882 aus Verzweiflung über seine finanzielle Situation schließlich Selbstmord.

1882 entstand aus dem Zusammenschluss der Staubschen Spinnerei und Weberei mit der Firma Emil Waibel & Co. die „Süddeutsche Baumwolle-Industrie AG Kuchen“ (SBI). In ihrer Blütezeit betrieb die SBI unter ihrem von Emil Waibel geführten Vorstand Spinnereien in Kuchen, Geislingen-Altenstadt und Waltenhofen sowie Webereien in Kuchen und Günzburg. Nach schwierigen Kriegsjahren profitierte das zwischenzeitlich in „esbi“ umbenannte Unternehmen vom Wirtschaftswunder der 1950er-Jahre. Die esbi beschäftigte mittlerweile über 2.000 Arbeiter.

Mit der Krise der deutschen Textilindustrie wurde die Adam Matheis OHG aus Eislingen 1972 Hauptanteilseigner. Die esbi beschäftigte noch etwa 1.250 Mitarbeiter. 1979 stellte die esbi die Produktion des Betriebs in Kuchen ein und verkaufte die heute denkmalgeschützte Arbeitersiedlung an die Gemeinde. Die Arbeitersiedlung wurde umgebaut und besteht heute aus 27 Wohneinheiten. Von den einstigen Fabrikgebäuden sind nur noch Teile erhalten. Die ehemalige, noch vorhandene Direktorenvilla Staubs befindet sich in Privatbesitz. 1985 wurde das gesamte Werksgelände von der Gemeinde übernommen.