Museum im Alten Bau

Museum im Alten Bau

Der Alte Bau, als Kornspeicher um 1445 erstellt, gilt als eines der schönsten und stattlichsten Fachwerkhäuser Baden-Württembergs und beherbergt die 1919 gegründete Museumssammlung des Geislinger Kunst- und Geschichtsvereins. Das jahrhundertealte, der Industrialisierung Geislingens vorangehende Kunsthandwerk der Geislinger Beindrechsler und Elfenbeinschnitzer wird ausführlich dargestellt.

Neben dem stadtgeschichtlichen Bestand bilden die Elfenbeinschnitzereien sowie archäologische Funde und volkskundliche Objekte die wichtigsten Schwerpunkte. 2003 wurde dem Stadtmuseum als eigenständige Abteilung das Südwestdeutsche Schatztruhenmuseum angegliedert.

Eine sehenswerte Besonderheit bietet das Museum im Zusammenhang mit dem Bau einer der steilsten Bahnstrecken Europas: Über 26 m lang erstreckt sich das ausgestellte Modell der Geislinger Steige im Maßstab 1:250, welches das technische Meisterwerk der Bahnstrecke und seine Umgebung im Jahr 1925 darstellt.

Mit dem Bau der Geislinger Steige begann zwischen 1847 und 1850 die Industrialisierung im großen Stil. Maßgebend dafür waren drei Faktoren:

1. Durch den Bahnbau war plötzlich ein schneller und zuverlässiger Transport von Rohstoffen ins Filstal und angefertigten Waren zu den Märkten gegeben.

2. Im Talkessel von Geislingen stand an den Gefällstellen der Rohrach, Eyb und Fils genügend Wasserkraft zur Verfügung und konnte als Energiequelle zum Betrieb von Fabriken dienen.

3. Der hier gebürtige Kapellmüller Daniel Straub war der typische Pionierunternehmer der Gründerzeit, der in den 1850er-Jahren mit Weitsicht, Wagemut und Durchsetzungsvermögen die industrielle Umgestaltung Geislingens vorangetrieben hat.

Daneben sorgte die Züricher Unternehmerfamilie Staub in Altenstadt und Kuchen für die Entwicklung der Textilindustrie.

Innerhalb eines Jahrzehnts entstanden in Geislingen und Altenstadt drei Industriebetriebe: Die Maschinenfabrik Straub (später MAG) die Plaquéfabrik Straub & Schweizer (später WMF) und die Mechanische Baumwolle Spinnerei J. H. Staub & Söhne (später SBI).

Bis ins 20. Jahrhundert hinein wuchs das beschauliche Landstädtchen Geislingen mit knapp 3.000 Einwohnern im Jahre 1850 zu einer bedeutenden Industriestadt mit über 16.000 Einwohnern im Jahre 1916 an. Geislingen hatte damals neben Stuttgart den höchsten Industrialisierungsschub im Königreich Württemberg.

Bis heute wird die Stadt durch die WMF als größtem Industriebetrieb des Kreises Göppingen geprägt.