Martin und Söhne (Schwäbische Textilwerke)

Ehem. Martin & Söhne (Schwäbische Textilwerke AG)

Des einen Glück, des andern Leid: 1886 brannte die Fabrik von Gottlieb Julius Martin bei Chur (Schweiz) ab. Den Fabrikanten zog es nach Ebersbach; er kaufte ein gemeindeeigenes Grundstück, das der Bürgermeister zufällig zur Industrieansiedlung im Gewann „Siechengärten“ veräußern wollte. Martin verpflichtete sich mit dem Kauf dazu, binnen eines Jahres eine mechanische Baumwollweberei mit mindestens 250 Webstühlen aufzubauen. Gesagt – getan: Ab 1887 klapperten die Webstühle; zur Weberei kam 1888/89 noch eine Weberei hinzu. Die Kriege machten dem Unternehmen schwer zu schaffen, vor allem weil man erneut auf Dampfkraft mit Kohlenbefeuerung umsatteln musste und nur unter erschwerten Umständen Rohbaumwolle besorgen konnte. 1918 gab die Firma aufgrund finanzieller Schwierigkeiten das Produktionsende bekannt. Das vorbildliche soziale Engagement der Familie zeigte sich mitunter durch den Bau einer Kinderkrippe, bezahlbarer Wohnhäuser und die Errichtung einer Betriebsbibliothek für Mitarbeiter.

Der Verkauf der Firma 1918 war Ausgangspunkt für die Gründung der Firma Schwäbische Textilwerke AG, die mehrheitlich zum jüdischen Blumenstein-Konzern gehörten. Der Druck des Nationalsozialismus zwang die Blumensteins, das Unternehmen unter Preis an die in Backnang ansässige J.F. Adolff AG zu verkaufen. Die Produktion von Kriegsgütern im Zweiten Weltkrieg wurde nach Kriegsende durch die Textilherstellung abgelöst. Bettwäsche mit dem Markennamen „Webgold“ brachte dem Unternehmen großen Erfolg. Das alte Websaalgebäude wich 1971 einer neuen Stahlbetonhalle. 1975 wurde der Betrieb trotz voller Auftragsbücher überraschend geschlossen. Die Firmengebäude blieben erhalten und werden heute durch einen Nachfolgebetrieb weitergenutzt.