Arnold Staub: eine Unternehmerpersönlichkeit zwischen Genie und Wahnsinn

Dass zwischen Genie und Wahnsinn oftmals nur ein dünner Grat besteht, beweist die Geschichte des Unternehmensgründers Arnold Staub aus Kuchen.

Als einer der Ersten errichtete Staub 1853 seinen Weberei- und Spinnereibetrieb auf der „Grünen Wiese“ und gelangte schnell zu Erfolg und Geld. Mit 443 mechanischen Webstühlen entstand in Kuchen der größte Websaal Europas, Arnold Staub wurde für seine Verdienste um die Firma und den Bau der vorbildlichen Arbeitersiedlung hoch dekoriert. Als Unternehmer war Arnold Staub ehrgeizig und erfinderisch, wenn es darum ging die Leistung seines Unternehmens weiter auszubauen, so konnte er im Laufe der Zeit die Leistungskapazität der Wasserkraft an seinem Betrieb immer weiter steigern. Nach einem Jahre andauernden Streit mit den Behörden erhielt Arnold Staub schließlich auch die Genehmigung zum Bau eines Turbinenhauses an der Fils, welches eine außergewöhnliche technische Neuerung darstellte. Während des Prozesses um das Turbinenhaus kam Staubs aufbrausende und rechthaberische Seite zum Vorschein. Neben seinem Findungsreichtum und seiner Risikobereitschaft in Unternehmensfragen offenbarte sich Arnold Staub nämlich auch immer öfter als herrschsüchtiger Patriarch und Choleriker.

Bereits zuvor soll es bei Verhandlungen mit Mitarbeitern zu lautstarken Auseinandersetzungen und Wutausbrüchen von Arnold Staub gekommen sein. Bei einem ersten Streik in seiner Spinnerei, als 140 Weber für bessere Arbeitsbedingungen protestierten, endeten die Verhandlungen bereits nach wenigen Worten in einem wütenden Anfall des Unternehmers. Als Folge der Auseinandersetzungen kam es zu zahlreichen Entlassungen und Sanktionen gegenüber den Angehörigen der Streikenden.

Auch mit den anderen Teilhabern des Unternehmens und dem Gemeinderat kam es immer häufiger zu heftigen Auseinandersetzungen. Streitthemen waren unter anderem ein ohne Genehmigung eingesetztes Wasserrad, die Betriebswege oder die Wasserversorgung der Arbeitersiedlung.
In der zweiten Hälfte des 1900 Jahrhunderts galt die Baumwollweberei und -spinnerei in Kuchen als das bedeutendste Textilunternehmen Württembergs, gleichzeitig kamen allerdings bereits erste finanzielle Schwierigkeiten auf.

Nach einem brandbedingten Produktionsausfall drohte dem Unternehmen der Konkurs, die Teilhaber drängten Arnold Staub aus der Firma. Nachdem auch die Weiterführung der Spinnerei seines Bruders Emil in Geislingen misslingt, begeht Arnold Staub 1882 aus Verzweiflung über seine finanzielle Situation schließlich Selbstmord.

Trotz seines schwierigen Charakters war Arnold Staub eine herausragende unternehmerische Persönlichkeit. Als sein Lebenswerk kann die Arbeitersiedlung in Kuchen angesehen werden, deren Auf- und Ausbau der Unternehmer mit wahnsinnigem Einsatz vorangetrieben hat.

Quelle:

Ziegler, Walter (2012):Die Fabrikgründung auf der „grünen Wiese“, Die Baumwoll-Weberei und –Spinnerei Kuchen. In: Ziegler, Walter; Rueß, Karl-Heinz; Hegele, Anton (Hrsg.: 2012): Die Fils, Fluss – Landschaft – Menschen, 2. Auflage, C. Maurer Druck und Verlag, Geislingen/Steige, 188-197.