Geschichtenbuch

Der Geislinger Erzbergbau im „Staufenstolln“

Wenn sich ein Fremder in den Jahren zwischen 1935 bis zum Abbruch der Grubenanlagen ab 1963 aus Richtung Bad Überkingen der Stadt Geislingen näherte, war er überrascht.

Der Stadtteil Geislingen-Altenstadt bot ein Erscheinungsbild wie es sonst allgemein für das Ruhrgebiet charakteristisch war. So stark hatte das Bergwerk „Grube Karl“ der Gutehoffnungshütte Oberhausen mit seinen rostbraun gefärbten Betriebsgebäuden, Förderaufzügen und mächtigen Erzhalden das Bild des Stadtrandes damals geprägt. Was er nicht sah, waren die unrentablen Anfänge des Bergbaus in Geislingen, welche 1920 von der anderen Seite her (zwischen Altenstadt und Kuchen) begannen. Das Grubengelände, durch die Landstraße von Altenstadt nach Überkingen in zwei Hälften geteilt, war durch eine Unterführung miteinander verbunden. Südlich der Landstraße standen die großen Gebäude zur Weiterverarbeitung des geförderten Erzes: je eine Brech-, Sieb-, und Bunkeranlage, der Verladebahnhof, der Lokomotivschuppen, ferner die Schreinerei und ein chemisches Laboratorium. Nördlich befanden sich das moderne Betriebsgebäude mit den Büroräumen sowie ein Magazin und der Waschraum der Bergleute, außerdem die Werkstatt, ein Transformatorenhaus, das Lagerhaus für die Maschinenteile und Geräte und schließlich der Bahnsteig zur Einfahrt in die Grube. Eine zweispurige Gleisanlage führte über die Fils an den Abhang des Michelberges, wo sich der Eingang zum Stollen, das Stollenmundloch, befand.

Gefährliche Arbeit im „Staufenstolln“

Die Arbeit auf Schicht in der „Grube Karl“ war höchst anstrengend und gefährlich. Frau Angelika Bosler, Tochter eines Geislinger Bergmanns, erinnert sich an elf tödlich verunglückte Bergleute in der Zeit von 1950 - 1963. 1958 kamen drei Kumpel bei einer Sprengung im Stollen ums Leben. 1952 wurde einem jungen Familienvater an einer Seilhaspel ein Bein vom Becken herausgerissen.

Das Ende des „Staufenstolln“ und der „Grube Karl“

Seit 1955 war die Grube eine selbständige Tochtergesellschaft der Oberhausener Gutehoffnungshütte unter der Bezeichnung „Grube Karl der Staufenstollen GmbH“. Die zu geringe Produktivität, der weite Transportweg zur Verhüttung im Ruhrgebiet und die überalterte Grubenmannschaft führten zum Betriebsschluss. Am 4. Januar 1963 fuhren die Geislinger Bergleute zum letzten Mal mit dem Berg-mannsgruß „Glück Auf!“ in den Staufenstolln ein. Die „Hintere Siedlung“ als Zeugnis Geislinger Bergbautradition Bereits wenige Wochen später begann man, die Werksanlagen abzubrechen. Heute sind nur noch wenige bauliche Zeugen dieses einstmals wichtigen Bergwerkbetriebs zu erkennen. Lediglich die „Hintere Siedlung“, die ür die aus ganz Deutschland angeworbenen Bergleute errichtet wurde, blieb erhalten und ist heute nach ihrer Sanierung ein letztes Zeugnis der Altenstädter Bergbautradition.