Plochingen

Plochingen

Die Nähe zum Ballungsraum Stuttgart macht Plochingen seit jeher für Gewerbe und Industrie interessant. Nicht nur über Schiene und Straße werden Güter transportiert; die Stadt ist seit 1968 durch den Neckarhafen und als Endpunkt der Neckarschifffahrt ein wichtiger Güterumschlagplatz. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts profitierten zahlreiche namhafte Unternehmen wie die Waldhornbrauerei C. Endriß GmbH & Co. KG, die Mühlsteinfabrik Dettinger oder die Spinnerei Otto von der verkehrsgünstigen Lage und dem Bahnanschluss. Industriekultur und Moderne werden heute auf dem ehemaligen Areal der Spinnerei eindrucksvoll verknüpft. Für die Ausrichtung der Landesgartenschau 1998 hat die Stadt Plochingen die Industriebrache auf dem Bruckenwasen gekauft, umgebaut und 59 in den Landschaftspark eingebettete Wohnungen errichtet. Die Umnutzung der Alten Spinnerei ist ein Vorzeigeprojekt und Imageträger von Plochingen; die Info-Station Industriekultur dokumentiert die bewegte Vergangenheit des Standorts und der Stadt.

Plochingen – das Tor zur Industriekultur des Filstals

Bereits im Jahr 1846 wurde Plochingen an die Württembergische Eisenbahn angeschlossen. Im Zuge der Ausweitung der Bahnanlagen entstand zwischen 1905 und 1907 unter Theodor Fischer, dem berühmten Architekten zwischen Historismus und Moderne, ein neues, heute denkmalgeschütztes Bahnhofsgebäude. Der Bahnanschluss gab in Plochingen das Startsignal für die Industrialisierung.

Es entstanden namhafte Industrieunternehmen wie die Textilfirma Heinrich Otto & Söhne, deren Plochinger Spinnereigebäude auf dem Bruckenwasen vom Architekten Philipp Jakob Manz geplant und errichtet wurde. Die Firma prägte die Entwicklung der Textilindustrie im Fils- und Neckartal durch die Verarbeitung von Kunstseide entscheidend mit. Aufgrund des bereits in den 1970er-Jahren begonnenen Strukturwandels in der deutschen Textilwirtschaft musste die Baumwollspinnerei 1993 stillgelegt werden.

Der Leinenwebermeister Johann Georg Dettinger gründete 1871 auf einem Areal in Bahnhofsnähe eine Mühlsteinfabrik. Daneben baute sich Dettinger eine Jugendstilvilla mit einem großen Gartenpark. Dettinger-Mühlsteine aus Plochingen wurden in Mühlen in ganz Europa verwendet. Nach den 1950er-Jahren setzte mit der Technisierung des Mühlengewerbes der Niedergang der Mühlsteinfabrik ein. Die Stadt Plochingen hat das Fabrikareal saniert und als Parkanlage, Kunstwerkstatt und Musikpavillon mit neuem Leben erfüllt – der heutige „Kulturpark Dettinger“.

Johann Christian Endriß erwarb 1840 die traditionsreiche Wirtschaft „Waldhorn“; 1869 gründete sein Sohn Carl Endriß die Waldhornbrauerei C. Endriß. Gleich drei Mal war die Gaststätte „Waldhorn“ Ort historischer Ereignisse: Im Jahr 1827 fand hier das erste deutsche Sängerfest statt, 1853 die erste deutsche Feuerwehrversammlung, und 1888 war das Waldhorn Gründungsort des Schwäbischen Albvereins. 1995 wurde die Bierproduktion im Brauhaus eingestellt. Die renommierte Brauereigaststätte („Staigers Waldhorn“) setzt bis heute die lange Tradition fort.

Der Plochinger Neckarhafen am Ende des kanalisierten Neckarabschnitts war der letzte Hafenneubau am Neckar. Ursprünglich sollte ein zukünftiger Plochinger Hafen lediglich eine Station des geplanten, in den 1970er-Jahren endgültig aufgegebenen Rhein-Neckar- Donau-Kanals werden. Heute ist der 1968 eröffnete Neckarendhafen Plochingen ein bedeutender Industriehafen mit ausgedehnten Kai- und Verladeanlagen zum Umschlag von Industriegütern.

Die Orte in Plochingen

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