Fils, Bahn & Co

Fils, Bahn & Co

Wussten Sie, dass die Wasserkraft der Fils als "blauer Motor" für den Antrieb der ersten Maschinen sorgte und so der Industrialisierung im Filstal auf die Sprünge half? Der Bau der Eisenbahn war ein weiterer Meilenstein, der an der Geislinger Steige eine technische Meisterleistung erforderte.

Für die Ansiedlung der ersten Industriebetriebe an der Fils waren für die Unternehmer vor allem zwei Faktoren wichtig: Wie treibe ich die Maschinen an? Wie bringe ich die Rohstoffe zur Fabrik und die Waren zu den Kunden? Energie spendete vor der Einführung der Dampfmaschine die Wasserkraft der Fils, die über Wehre und Mühlkanäle bereits von zahlreichen Mühlen genutzt wurde. Entsprechend entbrannte schnell ein erbitterter Kampf um Wasserrechte und Standorte an den Mühlkanälen, viele Mühlen baute man kurzerhand zu Industriebetrieben aus. Da Kohle und Öl in Württemberg zu den knappen und teuren Rohstoffen zählten, wurden die Webstühle, Spindeln und Drehmaschinen noch lange von der günstigen Wasserkraft angetrieben. Doch wohin sind die Mühlkanäle heute verschwunden? Die auch bei Hoch- und Niedrigwasser funktionierenden Dampfmaschinen lösten die Fils als Energieträger letztlich endgültig ab, die nutzlosen Kanäle wurden meist zugeschüttet und überbaut. Erst in den letzten Jahren wird die Wasserkraft der Fils als regenerative Energiequelle wiederentdeckt.

Der Bau der Eisenbahnlinie löste das zweite Problem der Unternehmer: das Transportproblem. Der mühselige Transport mit Pferdefuhrwerken war insbesondere für schwere Güter kaum zu stemmen, schon gar nicht in das abgelegene mittlere und obere Filstal. Mit der Entscheidung, die Eisenbahnstrecke von Stuttgart nach Ulm durchs Filstal zu bauen, nahm 1843 die Industrialisierung im Filstal wortwörtlich "Fahrt" auf. Der Bahnbau selbst brachte Arbeit und Aufträge ins Filstal, Die in den Fels gesprengte Bergstrecke an der Geislinger Steige beschäftigte bis zu 3.000 Arbeiter und gilt noch heute als technische Meisterleistung. Entlang der Bahnlinie gelangten die Rohstoffe einfach und kostengünstig zu den Fabrikhallen und die Produkte nach Stuttgart oder München. Nicht zuletzt konnten auch die Arbeiter von zu Hause über größere Entfernungen hinweg ihren Arbeitsplatz erreichen. Auf den Nebenstrecken wie der Tälesbahn pendelten zahllose auf dem Land wohnende Beschäftigte von der Alb ins Tal – vielleicht auch Ihre Großeltern und Eltern.