Arbeitswelten

Arbeitswelten

Arbeiten Sie in einer modernen Fabrik? Wahrscheinlich haben ihr Arbeitsplatz und die Zusammenarbeit mit ihren Kolleg/innen wenig gemein mit den Bedingungen, unter denen vor 150 Jahren in den ersten Fabriken gearbeitet wurde. 12-Stunden-Arbeitstag, geringer Lohn, Wohnungsnot, mühsame Anreise – das waren die Bedingungen, unter denen viele Arbeiter ihr Brot verdienten. Heute sind die Herausforderungen der Arbeitswelt andere – was es nicht unbedingt einfacher macht …

Der entscheidende Umbruch des Arbeitsalltags stand schon ganz am Anfang der Industrialisierung: die Handwerker und Bauern mussten ihr unsicheres, aber selbstbestimmtes Dasein an ihrem Wohnort gegen das straff organisierte Arbeiten in einer auswärtigen Fabrik eintauschen. Pünktlichkeit, Disziplin, Ordnung waren plötzlich entscheidende Tugenden, um den reibungslosen Produktionsablauf zu gewährleisten. Klar getrennt wurden auch Arbeitszeit und Freizeit, wobei die Arbeitszeit oft den ganzen Tag einnahm und zu Hause nur noch Zeit zum Essen und Schlafen blieb. Die Arbeit an der Maschine bedeutete für die Handwerker einen sozialen Abstieg, für die verarmte Landbevölkerung hingegen war es eine willkommene Einkommensquelle. Aber fehlender Wohnraum, Probleme bei der Wasserent- und versorgung und fehlende Schulen führten vielfach zu unzumutbaren Wohnverhältnissen, die auch die Arbeit in den Fabriken zu beeinträchtigen drohten. Fabrikunternehmer bauten in der Folge eigene Arbeitersiedlungen, um Mitarbeiter anzulocken und in der Firma zu halten.

Die Verpflegung der Mitarbeiter von zu Hause aus wurde immer schwieriger. Während die WMF noch mit der "Knöpflespost" das Essen der Hausfrauen in die Fabrikhalle transportierte, setzte sich in Großbetrieben mehr und mehr die Verpflegung in Kantinen durch. Die Mechanisierung hielt unaufhaltsam Einzug in den Fabrikhallen, dennoch waren gerade auch die Facharbeiter unersetzlich bei der Entwicklung neuer Produkte und Verfahren. In der Zeit des Nationalsozialismus setzte die Unterdrückung der linken Arbeiterbewegungen sowie die Verfolgung der jüdischen Unternehmer und Arbeiter ein. Im 2. Weltkrieg wurde ein Großteil der Arbeiter an die Front eingezogen, was man auch durch die Beschäftigung von Fremd- und Zwangsarbeitern zu kompensieren suchte. Nach dem Krieg standen im Filstal auch zahlreiche Flüchtlinge und Heimatvertriebene an der Werkbank.